
Das Unternehmen: Die Matchory GmbH
Seit ca. 5 Jahren bringt mein Arbeitgeber mit Sitz bei Ulm Zulieferer und produzierendes Gewerbe auf innovativem Weg zusammen – mit einer Datenbank weltweiter Zulieferbetriebe verschiedenster Branchen, die mithilfe von »artificial intelligence« im Rahmen einer digitalen Suchplattform effizient mit potentiellen Kunden »gematcht«, also zusammengebracht werden. Als wachsendes, internationales Team haben wir uns zum Ziel gesetzt, mit dieser Technologie die Art und Weise zu revolutionieren, wie die Einkaufs-Prozesse von Industrieunternehmen funktionieren, um Lieferketten transparenter und nachhaltiger darstellen und gestalten zu können.
Die Tätigkeit: Vielfalt und Flexibilität
In dieser agilen, digitalen Arbeitsumgebung gibt es immer was zu tun. Wie beispielsweise jedes Smartphone-Betriebssystem regelmäßiger Updates bedarf, benötigt wohl so gut wie jede digitale Dienstleistung kontinuierliche Weiterentwicklungen – von der Anpassung von Benutzeroberflächen bis hin zur Implementierung neuer Funktionalitäten. Viele Entwicklungen – ob in technischer, unternehmerischer oder gesetzlicher Hinsicht – setzen entweder rechtliche Überlegungen und Regelungen voraus, oder haben solche zur Folge.
In allen Fällen ist man als Legal Counsel die erste Anlaufstelle. Man lernt dabei nie aus und ist im ständigen Austausch mit Teammitgliedern sowie externen Dienstleistenden und Projektpartnern verschiedenster Fachrichtungen. Ich persönlich genieße das sehr, ist aber alles eine Typ-Frage. Insbesondere in einer Start-up-Umgebung mit vergleichsweise jungem Team, offener Denkweise und ohne festgefahrene Strukturen ist grundsätzlicher Wille zu Gestaltungsengagement hilfreich.
Inhaltlich spiegelt sich das bei mir in einem Tätigkeitsschwerpunkt »Compliance«, also dem Etablieren interner Abläufe, die für die bestmögliche Rechtskonformität des Unternehmens sorgen sollen. Branchenspezifisch kommen viele Fragen insbesondere im IT- und Datenschutzrecht hinzu. Welche rechtlichen Implikationen ergeben sich aus sogenannten »Do-Not-Track«Anfragen? Wie lange und in welcher Form müssen oder dürfen bestimmte Daten gespeichert werden? Aber auch allgemeinere Fragestellungen sind Thema, etwa, ob ein Vertragspartner einen bestimmten Vertrag kündigen durfte. Ein wahnsinnig vielfältiges Spektrum.
Der Weg dahin: Vom Gerichtssaal in den Büroturm ins Remote-Office
Die angesprochene Typ-Frage muss nach meinem Dafürhalten auch nicht bereits vor dem Berufsstart zwingend und vollständig geklärt sein. Ob eine bestimmte Stelle oder Arbeitsweise mit den eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen matcht, kann oft erst beantwortet werden, wenn man es mal ausprobiert hat. Nach dem Studium in Heidelberg hat mein Referendariat am LG Konstanz mir dahingehend viele sehr gute Einblicke in verschiedene Tätigkeiten geboten, auch in einer Rechtsabteilung. Gestartet bin ich dennoch eher klassisch als Anwalt im allgemeinen Zivilrecht in einer mittelständischen Kanzlei, unter anderem mit Schwerpunkt auf Prozessführung. In eine Wirtschaftskanzlei mit spezialisiertem Team im IT-Recht und gewerblichen Rechtsschutz hat mich mein Weg anschließend geführt.
Beides spannende Tätigkeiten, die viele Erfahrungen beinhaltet haben, die ich nicht missen möchte. Im Start-up ist das Arbeiten jedoch deutlich flexibler möglich, es existieren größere Gestaltungsfreiräume und eine Vision, die man mit anderen teilt und die man persönlich als unterstützenswert erachtet. Dass dies wichtige Aspekte einer Arbeitsstelle für mich sind, musste ich jedoch erst herausfinden. Schließlich waren es der Zufall und unsere Trauzeugin, die mich zu Matchory geführt haben.
Das Remote-Office ist dabei ein weiterer Aspekt, den ich aufgrund vorheriger Erfahrungen nur schwer einschätzen konnte. Insbesondere, was die Fähigkeit zur Selbstdisziplinierung und die zum Großteil fehlende Möglichkeit anbelangt, das Feintuning an gemeinsamen Arbeitsergebnissen direkt bei einem isotonischen Hopfenkaltgetränk vornehmen zu können. Glücklicherweise komme ich damit gut klar und gelegentliche »Workations« mit allen Mitarbeitenden sind für mich ein schöner Ausgleich.
Das Fazit: Gutes Matching will geübt sein
Das Dilemma bleibt, dass es eine echte Herausforderung ist, ein gutes Match hinzubekommen zwischen der eigenen Persönlichkeit und der Vielzahl an Arbeitsmöglichkeiten, die sich nach dem Jurastudium auftun. Aber seid in mehrfacher Hinsicht beruhigt. Schon diese Lektüre und die Beschäftigung mit verschiedenen Berufsperspektiven legt einen theoretischen Grundstein für spätere Entscheidungen. Sehr viele Umstände bleiben dem Zufall überlassen. Wie eine Software erreicht man nie den Zustand einer allumfassenden Datengrundlage, die die perfekte Entscheidung ermöglicht. Man kann dieser Basis nur schrittweise näherkommen, wobei furchtlose Sprünge in neue Situationen und Anstellungen unvermeidlich sind. Sowohl auf dem Weg dahin als auch für das ideale Match wünscht das Matchory-Team allen Lesenden viel Spaß und alles Beste!
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Über den Autor:

Kai Wernet - Legal Counsel bei Matchory
Er ist als gebürtiger Saarländer in das fremde Baden-Württemberg emigriert und nach einigen Jahren rein anwaltlicher Tätigkeit nun als Legal Counsel und Rechtsanwalt sowie als Snowboardlehrer tätig.