Sich als Anwältin oder Anwalt für das Spezialgebiet Litigation entscheiden?

Drei Personen beraten sich, während sie auf ein Klemmbrett schauen
von Achim Schäfer-Belot und Corinna Kusserow

Spätestens seit den unzähligen erfolgreichen englischsprachigen Anwaltsserien, wie u.a. „Suits“ und „Lincoln Lawyer“, ist das Image der Prozessanwälte auch in Deutschland gestiegen und die Spezialisierung bei Berufseinsteigenden im Bereich „Litigation“ immer beliebter.

Doch was zeichnet die Arbeit als Prozessanwältin/-anwalt eigentlich aus?

Anders als bei den klassischen Rechtsbeiständen, die sich auf die präventive Rechtsberatung, Vertragsprüfung oder außergerichtliche Streitbeilegung spezialisiert haben, kommen Prozessanwältinnen und -anwälte erst dann ins Spiel, wenn es um die prozessuale gerichtliche Vertretung der Mandantschaft geht. Unabhängig davon, ob es um die Geltendmachung von Ansprüchen oder deren Abwehr geht, ist eine eingehende Fallanalyse, die umfassende Sichtung von Rechtsdokumenten und das Sammeln von Beweisen zur Entwicklung einer Strategie unabdingbar. Dabei spielt die Kommunikation mit der Mandantschaft eine zentrale Rolle, um rechtliche Aspekte des Sachverhalts zu klären und prozessuale Erfolgsaussichten zu bewerten.

Das Spezialgebiet der Litigation ist vielseitig

Der Arbeitsalltag ist vielfältig und man arbeitet gerade in größeren Einheiten nicht zuletzt aufgrund der Komplexität der Fälle und der teils hohen Streitwerte im Team. Je nach Berufserfahrung belaufen sich die Aufgaben auf die Sichtung und Aufbereitung von Unterlagen, die Vorbereitung von Schriftsätzen bzw. einzelner Blöcke davon, die Teilnahme an Gerichtsterminen, die Verhandlung von Vergleichen und die regelmäßige Berichterstattung an die Mandantschaft; das Plädieren vor Gericht bleibt oftmals den erfahreneren Partnern vorbehalten.

Litigation dieser Art wird vorwiegend in Großkanzleien oder spezialisierten Litigation/Arbitration-Boutiquen praktiziert. Der anspruchsvolle Bewerbungsprozess erfordert neben exzellenten Noten auch hervorragende Englischkenntnisse, rhetorische und sprachliche Gewandtheit, kreatives und schnelles Denken, und ausgeprägte logische Fähigkeiten. Daneben sind Neugierde und eine gewisse Stressresistenz von Vorteil, da die Arbeit nicht selten unter hohem zeitlichem Druck erfolgt. Gerade weil die Erwartungen an Bewerbende hier sehr hoch sind, spiegelt sich dies in einer großzügigen Vergütung wider.

Litigation bietet viele Einsatzmöglichkeiten

Alternativ ist die Berufsausübung des Litigators auch in kleinen und mittelständischen Einheiten möglich. Auch hier kann man als spezialisierte Rechtsanwältin und Rechtsanwalt im Prozessrecht tätig werden und die eigenen bzw. die Fälle des Kollegiums vor Gericht alleine lösen. Der Einstieg ist aufgrund der herabgesetzten formaljuristischen Anforderungen zuweilen etwas einfacher, aber in der Sache vergleichbar.

In den letzten fünf Jahren hat sich zudem eine weitere Möglichkeit für den Berufseinstieg in den „Litigation-Bereich“ etabliert: die der Massenklagen. Diese Form der Prozessführung hat in den letzten Jahren aufgrund namhafter Prozesse an Bedeutung gewonnen und viele größere Einheiten sahen sich vor die Herausforderung gestellt, die Abwicklung Tausender von Klagen effizient zu gestalten.

Die Skalierbarkeit solcher Fälle führte dazu, dass die Analyse, Sachverhaltsermittlung und Strategie zentral bearbeitet und der prozessuale Teil auf eine Vielzahl von Rechtsbeiständen vor Gericht verteilt wurde. Diese Massenklagen bieten gerade jungen Anwältinnen und Anwälten die Möglichkeit, eine breite Ausbildung im Bereich Litigation zu erhalten und so erste praktische Erfahrung zu sammeln. Auch die zumeist sehr attraktive Vergütung für die in der Regel befristete Projekttätigkeit und die Möglichkeit bei guter Leistung auch dauerhaft übernommen zu werden, dürfte für ambitionierte Berufseinsteigende ohne Prädikatsexamina sicherlich verlockend sein. So eröffnet sich neben dem traditionellen Weg in den klassischen „High End“ Litigation-Teams Fuß zu fassen, eine sicherlich nicht unattraktive alternative Laufbahn für junge Litigation-Anwärterinnen und Anwärter, die ihre Fähigkeiten und Ausbildung im prozessualen Bereich vertiefen möchten.

Litigation, ein Arbeitsbereich mit Zukunftsaussichten

Abschließend lässt sich somit festhalten, dass unter den vielfältigen Spezialisierungen und Ausprägungen der einzelnen, teils international tätigen Wirtschaftskanzleien, für jeden die passende Stelle dabei sein dürfte und die Zukunft der Prozessanwältinnen und Prozessanwälte aufgrund der anhaltenden hohen juristischen Auseinandersetzungen gesichert ist. Daran dürfte auch die Digitalisierung im Rechtsbereich nichts ändern, außer dass Gerichtsprozesse nicht mehr bei Gericht, sondern digital in den Kanzleiräumen stattfinden.

 

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Über den Autor und die Autorin:

Achim Schäfer-Belot - Volljurist, Senior Expert Hays AG

Corinna Kusserow - Volljuristin, Senior Abteilungsleiterin Hays AG